Die Opfer sind wichtiger

Die Opfer sind wichtiger

Kommentar zum Beschluss des Stadtrates:

Warum eine Straße umbenennen? Warum in alten Dokumenten suchen und sich die Arbeit machen? Warum wieder eine „Erinnerung“ auslöschen?

Kann man nicht einfach alles so lassen, wie es ist? Muss das denn überhaupt sein?

Fragen, die sich bestimmt viele von uns Stellen, wenn wir von der Umbenennung der Wernher-von-Braun-Straße sprechen.

Schon vor mehr als 20 Jahren war die Namensgebung dieser Straße hoch umstritten. Heute weiß man, dass Wernher von Braun, als angeblich renommierter Raketenforscher, doch nichts anderes war, als ein Profiteur des nationalsozialistischen Systems. Von Braun hatte, unter anderem persönlich in den Konzentrationslagern seine Zwangsarbeiter ausgesucht, um sie wohlwissend in der tödlichen Arbeit in den Stollen des Konzentrationslagers „Mittelbau-Dora“ einzusetzen. Dort wurden die Vernichtungswaffen V1 und V2 unter menschenunwürdigsten Bedingungen gebaut. Hitlers „Wunderwaffen“ sollten zum sogenannten „Endsieg“ verhelfen. 

Der ein oder andere mag der Meinung sein, na ja es war ja Krieg. Ja, es war Krieg. Ein von Nazi-Deutschland entfesselter zweiter Weltkrieg, nach dessen Ende es Wernher-von-Braun, Zeit seines Lebens nicht einmal für nötig gehalten hatte, sich bei den Opfern zu entschuldigen. Selbst nach gezielten Nachfragen! 

Eine Straße nach einem Menschen zu benennen, ist eine Ehrung. 

Ich kann nicht erkennen, dass von Braun dies verdient hätte.

Die Opfer und deren Lebensgeschichte sind mir wichtiger. Wir sollten uns lieber an die mutigen Mitbürger*innen von damals erinnern, die sich gegen das NS-Regime gestellt haben. Voller Stolz dürfen wir als Gersthofer Gemeinschaft an die Widerstandskämpfer*innen, wie zum Beispiel Johann Baptist Sturm, Anna Pröll und viele weitere denken. Diese hätten eine Straßenbenennung mehr als verdient.            

Dennis Stolarski

Bild:
Viele tausend Besucher kommen jedes Jahr in die Gedenkstätte Mittelbau-Dora um der Opfer Wernher-von-Brauns zu gedenken. In dem, zum Großteil unterirdischen Konzentrationslager, mussten die HäftlingeZwangsarbeit für die Produktion der sog. V1- und V2-Rakete bauen. Mehr als 20.000 Menschen kamen dabei ums Leben. Das Lager „Dora“ war zunächst ein Außenlager des KZ Buchenwald.