Klärschlammverbrennung

Anwohner haben bedenken:

Klärschlammverbrennung

Da aufgrund der Coronapandemie Infoveranstaltungen über die geplante Klärschlammverbrennungsanlage nicht stattfinden konnten, haben wir uns in der vergangenen Ausgabe bereits mit ein paar Fakten zum Thema „Klärschlamm“ auseinandergesetzt und wie angekündigt, uns mit Fragen an die MVV Geschäftsleitung des Industrieparks, den Betriebsratsvorsitzenden des Industrieparks und die zuständige Gewerkschaft IGBCE gewandt.

Die Fakten

Fakten kurz zusammengefasst: In Deutschland fallen jährlich fast 2 Millionen Tonnen, Klärschlamm an. Bisher wurde dieser Schlamm, trotz verschiedenster Schadstoffe, direkt auf landwirtschaftliche Nutzflächen ausgebracht, oder in Kohlekraftwerken und anderen Verbrennungsanlagen mitverbrannt. Kohlekraftwerke werden nun nach und nach abgeschaltet und das Mitverbrennen in anderen Verbrennungsanlagen ist ab 2029 endgültig nicht mehr zulässig, da dadurch wertvolle Inhaltsstoffe wie Phosphor keine Verwertung finden können.

Und die Anwohner?

Vor allem die direkten Anwohner haben verständlicherweise Bedenken im Zusammenhang mit der Klärschlammverbrennungsanlage. Nach den Maßnahmen und Vorkehrungen zum Schutz der Umwelt und der Anwohner gefragt, erklärt Frau Knöpfle, die Sprecherin des Industrieparks, folgendes: „Die Anlage wird nach dem neuesten Stand der Technik betrieben und kontinuierlich messtechnisch überwacht. Alle Messwerte werden an die überwachenden Behörden übermittelt und dort ausgewertet. Darüber hinaus besitzt die MonoVerbrennungsanlage eine Rauchgasreinigung, in der in einem mehrstufigen Prozess die anorganischen Schadstoffe herausgefiltert werden. Die Rückgewinnung von Phosphor aus der Asche ist in Gersthofen geplant“. Hier laufen laut Frau Knöpfle noch konzerninterne Verfahrensstudien. „Durch den Bau der Klärschlammverbrennungsanlage auf einer leerstehenden Fläche im Industriepark mit bereits bestehender Infrastruktur, wird neben der Sicherung von bestehenden Arbeitsplätzen auch der Standort als solcher gesichert“, meint der Betriebsratsvorsitzende Thomas

Industriepark aufgewertet

Kastner, „zudem kann ein weiterer Verbau von Grünflächen vermieden werden.“ Sowohl der Betriebsrat als auch die Belegschaft stehen dem Projekt positiv gegenüber. „Durch diesen Bau wird der Industriepark aufgewertet, das bedeutet eine positive Perspektive für die Zukunft“, meint Thomas Kastner.

Ähnlich sieht dies der Geschäftsführer der Industriegewerkschaft IBCE, Torsten Falke. Er findet, dass sich der Standort als solches, aufgrund des qualifizierten Personals im bestehenden Kraftwerk, der vorhandenen Infrastruktur und der guten Lage an der B2 und der A8 hervorragend für das Betreiben einer solchen Anlage eignet.

Und der LKW-Verkehr?

„Natürlich wird sich die Anzahl der LKW-Bewegungen erhöhen“, das ist eine Tatsache, die Frau Knöpfle nicht bestreiten möchte, „aber alle sich anbietenden Synergien werden bei der Belieferung genutzt, das heißt, nach Möglichkeit werden LKW-Leerfahrten vermieden“. Laut Frau Knöpfle existieren im Großraum Augsburg keine Möglichkeiten der Klärschlammverwertung. Die nächsten Anlagen befinden sich in Neu-Ulm oder München.

Auf die Bedenken hin, dass die Anlieferung in Gersthofen mit einer großen Geruchsbelästigung verbunden sein könnte, erwidert Frau Knöpfle, dass die Entladung in einer geschlossenen Halle mit Absaugung erfolgen wird.

Abschließend bekräftigt Frau Knöpfle, dass sich der Industriepark gerne den Fragen der Öffentlichkeit stellt und über die eigene Internetseite (www.mvv-igs.de/Kva) einen offenen Dialog anbietet. Wir werden das Thema weiter verfolgen!

Janine Hendriks

Der Bund Naturschutz meint dazu:

„Kein Königsweg!“

Die Frage „Verwertung oder Entsorgung?“ führt an der eigentlichen politischen Aufgabe an eine ökologischen Kreislaufwirtschaft vorbei. Wichtig bleibt festzuhalten, dass die Verbrennung der Klärschlämme weder ökonomisch noch ökologisch der Königsweg ist.

Im Gegenteil, für das Prinzip eines nachhaltigen Umgangs mit unseren Ressourcen ist dieser Weg eine Sackgasse. Gleichzeitig muss uns bewusst sein, das, was wir in unse- re Umwelt hineintragen, landet am Ende auch wieder beim Menschen.

Eine ökologisch sinnvolle Klärschlammverwertung ist daher langfristig nur bei weitestgehender Schadstofffreiheit zu vertreten. Den politischen Weg dazu hat die Europäische Union mit ihrem Generationenziel vorgezeichnet. Es ist davon auszugehen, dass kritische Chemikalien in absehbarer Zeit nicht mehr in umweltoffenen Anwendungen vorkommen. In der Übergangszeit müssen strenge Vorsorgegrenzwerte sowohl bei der Entsorgung als auch bei der Verwertung von Klärschlämmen definiert werden. Welcher Entsorgungsweg dabei für die derzeit noch nicht verwertbaren Klärschlammmengen gewählt wird, kann an dieser Stelle nicht grundsätzlich entschieden werden.

Zusätzlich gilt es alle Techniken weiterzuentwickeln, die das Nährstoffpotenzial in den Klärschlämmen nutzbar machen. Die Chemikalienhersteller werden zwar in Zukunft stärker in die Pflicht genommen, das entbindet jedoch nicht die Verbraucher zu einem verantwortungsbewussten Konsum. Denn viele der Schadstoffe gelangen über die häuslichen und kommunalen Abwässer in den Klärschlamm weil Verbraucherinnen und Verbraucher sie zu unbedacht kaufen und verwenden.

J.Pröll (Quelle: „BUNDposition Klärschlamm)