Umstritten: Klärschlammverbrennung

Umstritten: Klärschlammverbrennung

Täglich entstehen allein in Deutschland fast 5.000 Tonnen Klärschlammtro- ckenmasse – wohin mit dem belasteten Material?

Schwermetalle, Medikamente wie zum Beispiel Hormone oder Antibiotika, Mikroplastik, Weichmacher, Krankheitserreger und vieles mehr befinden sich in dem von uns allen produzierten Klärschlamm und über die Lang- zeitwirkungen der Ökotoxizität können bislang noch keine verlässlichen Daten geliefert werden.

Bereits seit 1992 darf Klärschlamm nicht mehr auf Dauergrünland sowie Obst-und Gemüseanbauflächen ausgebracht werden. Wohl aber auf andere Ackerflächen, wodurch die Schadstoffe trotzdem in den Ökokreis- lauf eingebracht werden.

In der Schweiz ist das Aus- bringen auf Dauergrünland und Gemüseanbauflächen schon seit 2006 untersagt.

In der deutschen Novellierung heißt es: „Wir werden die Klärschlammausbringung zu Düngezwecken beenden und Phosphor, sowie andere Nährstoffe zurückgewinnen.“ Es werden Zahlen genannt wie: „nach 2032 darf nur noch Klärschlamm aus Anlagen mit einer Ausbaugröße von 50.000 Einwohnern auf Ackerflächen ausgebracht werden.“ Das heißt, dass es auch nach 2032 kein Komplettverbot für die „bodenbezogene Klärschlammverwertung“ gibt.

Die Verordnung verfolgt laut dem Bundesministerium für Umwelt das Ziel, Phosphor wieder dem Wirtschaftskreislauf zuzuführen und gleichzeitig die herkömmliche bodenbezogene Klärschlammverwertung stufenweise, „zum Zweck einer Verringerung des Schadstoffeintrags in den Boden deutlich einzuschränken“. Dies ist unserer Meinung nach überfällig und sollte nicht stufenweise, sondern sofort erfolgen.

Hochrechnungen der Uni Bern gehen davon aus, dass alleine die Menge Mikroplastik, die mit Klärschlämmen jährlich in die Böden gelangt, größer ist als die Menge, die in den Weltmeeren landet. Auch der BUND e.V. vertritt die Position, dass „es kaum ein Thema gibt, bei dem das Chemikalienproblem so anschaulich wird wie beim Klärschlamm“. Erstrebenswert wäre eine komplette Verwertung und Rückführung in den Ökokreislauf, aber zum derzeitigen Zeitpunkt ist bei der Monoverbrennung zumindest die Rückgewinnung von Phosphor möglich. Täglich entstehen viele unnötige Mengen Klärschlamm, da beispielsweise Küchenabfälle und anderer Müll über die Kanalisation entsorgt wird – und diese Zahl steigt leider stetig an. Große Mengen an getrocknetem Klärschlamm wurden bisher in Kohlekraft- werken thermisch entsorgt. Dies wird aber aufgrund der vereinbarten Abschaltpläne demnächst nicht mehr mög- lich sein. Im Industriepark Gersthofen plant die Betreiberfirma MVV eine Klär- schlammverbrennungsanlage in unmittelbarer Nähe der bereits existierenden Kraftwerke. Teile der Bevölkerung, allen voran die Bewohner der Stiftersiedlung zusammen mit Naturschützern stehen diesem Vorhaben sehr kritisch und teilweise ablehnend gegenüber. Die Angst der Anwohner ist verständlich und betrifft Umweltaspekte wie Schadstoffausstoß bei der Verbrennung, Zunahme des LKW-Verkehrs, aber auch Geruchsbelästigung und die Zunahme von Lärm.

Wir werden, bis zu unserer nächsten Ausgabe, Fragen an Frau Ingrid Knöpfle (In- dustriepark-Sprecherin), an Thomas Kastner (Betriebs- ratsvorsitzender) und an Torsten Falke (Bezirksleiter der Industriegewerkschaft BCE) stellen, die für uns alle wichtig sind. 

Janine Hendriks