„Die Bürger Gersthofens haben ihm ihr Vertrauen ausgesprochen“             Johann Sturm

„Die Bürger Gersthofens haben ihm ihr Vertrauen ausgesprochen“ Johann Sturm

Es ist kein Wunder, dass sich nur noch wenige an ihn erinnern können. In diesem Jahr jährt sich sein Tod zum 65- sten mal. Die Rede ist von Johann Sturm, der bis 1956 Gemeinderat in Gersthofen war und von 1945 bis 1946 sogar kurz Bürgermeister. Als er 1956 starb, hatte er ein bewegtes Leben hinter sich und gehörte zu denen, die mit wachen Augen und Ohren, sowie mit zeitkritischem Verstand die Menschen und seine Umgebung wahrnahm. Schon früh hat er sich der SPD angeschlossen und ist von 1919 bis 1924 Fraktionsführer seiner Partei im Kreisrat.

Am 1. August 1914, 23 Jahre alt, wird er in den Kriegsdienst eingezogen. 1916 ist er wieder zu Hause. Er ist schwer verwundet und muss ein Leben lang darunter leiden.

Aber vom Wehrdienst ist er grundsätzlich befreit und kann wieder bei den Farbwerken in Gersthofen arbeiten. Seit 1922 ist er Mitglied der Naturfreunde in Gersthofen und Mitbegründer der Siedlungsgenossenschaft. 1924 wird Johann Sturm Gewerkschaftssekretär und ist Geschäftsführer beim Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands bei der Zahlstelle Augsburg. Er vertritt die Fabrikarbeiter auch bei Gerichten und Behörden im Raum Nordschwaben. Er erlebt die Weltwirtschaftskrise, die mit dem New Yorker Börsencrash im Oktober 1929 beginnt. Zwischen September 1929 und Anfang 1933 steigt die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland von 1,3 auf über 6 Millionen. Das Realeinkommen sinkt um ein Drittel, Armut und Kriminalität nehmen sprunghaft zu.

Nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichs- kanzler am 30. Januar 1933 zweifelt kaum jemand daran, dass die Weimarer Republik der Vergangenheit angehört. Die Folgen sind bekannt. Nazi-Deutschland hat kein Erbarmen. Die politische Opposition wird ausgeschaltet. Das Konzentrationslager Dachau wird schon am 22. März 1933 eröffnet. Mitglieder der KPD und der SPD gehören zu den ersten Häftlingen. Als am 2. Mai 1933 die Gewerkschaften zerschlagen werden, gehören viele ihrer Mitglieder und Funktionäre zu den Inhaftierten.

Johann Sturm wird mehrmals verhaftet und steht nach seiner Entlassung aus der sog. „Schutzhaft“ ständig unter Polizeiaufsicht. Inzwischen ist er Busfahrer bei den Verkehrsbetrieben. In seinem Haus versteckt er die Traditionsfahne der Gersthofer SPD. Erst beim

Umbau des Hauses wird sie in den 70-er Jahren gefunden. Gersthofen wird am 28. April 1945 an die Amerikaner übergeben. Das geschieht durch Thomas Dembinski und Dr. Neussell. Der damalige NSDAP-Amtsträger beziehungsweise Bürgermeister Gersthofens, Georg Wendler hat sich vermutlich zunächst in Sicherheit gebracht. Erst am Abend des gleichen Tages übergibt er den Ort offiziell an die Amerikaner. Johann Sturm wird von den Besatzungstruppen im Mai 1945 zum ersten Bürgermeister ernannt. „Die Bürger Gersthofens haben ihm stets ihr Vertrauen ausgesprochen und seinen einzigartigen, vorbildlichen Einsatz für das Allgemeinwohl honoriert. Johann Sturm war ein mutiger und auf Integration bedachter Bürger Gersthofens, der immer da war, wenn man ihn rief. Er war von 1946 bis 1947 Vorsitzender des TSV Gersthofen“, schreibt Dr. Bernhard Lehmann, dem wir die aufwendige Erarbeitung seiner Biografie zu verdanken haben.

Für den beantragten Stolperstein für Johann Sturm hat die SPD
Gersthofen die Patenschaft übernommen. Wir freuen uns schon auf seine Verlegung, die wahrscheinlich erst 2022 stattfinden kann. 

J. Pröll

Als er starb, hatte er ein be- wegtes Leben hinter sich: Bür- germeister in Gersthofen, Frak- tionsführer, Kreisrat der SPD, Mitglied der Naturfreunde, Vorsitzender des TSV Gerstho- fen, Gewerkschaftssekretär, Verfolgter des Naziregimes, Busfahrer bei den Gersthofer Verkehrsbetrieben.