90 Jahre alt und seit 65 Jahren in der SPD               Josef Schuler

90 Jahre alt und seit 65 Jahren in der SPD Josef Schuler

Mit einem Lächeln im Gesicht erzählt Josef Schuler wie er kurz nach dem zweiten Weltkrieg, trotz der absolut widrigen Umstände organisierte, dass die Jugend von Batzenhofen einen Fußball und Trikots für Spiele bekam. Heute würde man solche Initiativen „Netzwerken“ nennen. Für Josef Schuler, damals selbst noch „Teenager“, war es ganz einfach selbstverständ- lich. Ihm war es wichtig, sich für seine Mitmenschen vor Ort einzusetzen. Josef war in der Folge Mitglied der ersten Stunde im 1948 gegründeten CSC-Batzenhofen.

Elf Jahre nach der Jahrhun- dertpandemie des 20. Jahrhunderts, der „Spanischen Grippe“, kommt Josef Schuler in Batzenhofen zur Welt und wächst dort mit seinen vier Brüdern auf. Am 1. April 1945, kurz vor Kriegsende, beginnt Josef Schuler eine Zimmererlehre bei der Firma Spitzer. Die Firma war damals als Rüstungsbetrieb eingestuft, da für das Militär die Außenteile von Baracken hergestellt wurden. Nach 10 Tagen musste die Firma, nach einem Fliegerangriff auf die Weldenbahn, bei der 40 Personen starben, Kisten anfertigen.

Der 14-jährige Josef bekommt die Anweisung mit rauszufahren um mitzuhelfen, die Leichen „aufzuladen“. „Das war ein Anblick, den vergesse ich nicht“, sagt er heute noch emotional ergriffen.

In seinem Lehrbetrieb lernte Josef Schuler Simon Heim kennen, von dem er sagt: „durch einen Zimmerergesellen, der zwischen 1933 und 1936 in Dachau war, bin ich zur SPD gekommen“. Aufgewachsen in der Vor- kriegszeit und geprägt von der Kriegszeit sagt Schuler über seine Kindheit während der nationalsozialistischen Diktatur: „Ich kannte nichts anderes, auf dem Dorf hat es damals nichts anderes gegeben als Schule und Hitlerju- gend. Das war eine Gemeinschaft“.

Simon Heim zeigte ihm während der Lehrzeit die andere Seite der Medaille auf. Im Januar 1956 tritt Josef Schuler in die SPD ein, kandidiert für den Gemeinderat und wird am 19. März zum jüngsten Gemeinderat gewählt. Seine Entscheidung als einer der ersten Freiwilligen zur neu eingerichteten Bundeswehr gehen zu wollen beendete, nach nur zwei Monaten, vor- rübergehend seine politische Laufbahn. „Das hat mir damals keiner geglaubt, dass ich mich freiwillig gemeldet hab“ sagt Josef, dies war für einen Genossen damals ungewöhnlich. Hier gibt es eine Parallele zu einem seiner Vorbilder Helmut Schmidt, der in einem Interview einmal erklärte: „Wir kamen aus dem Krieg, wir haben viel Elend und Scheiße erlebt im Krieg, und wir waren alle entschlossen, einen Beitrag dazu zu leisten, dass all diese grauenhaften Dinge sich niemals wiederholen sollten in Deutschland.“

„Das war die eigentliche Antriebskraft.“ Als andere Vorbilder nennt Josef Schuler Kurt Schuhmacher und Willy Brandt. Auch an Herbert Wehner erinnert er sich lachend: „Er war sprachgewandt, immer gerade raus!“ und freut sich, dass Wehner ihm nach einer Veranstaltung in Gersthofen sein Parteibuch unterzeichnete. 1966 begann für Josef Schuler der zweite An- lauf in der Politik. 12 Jahre war er Gemeinderat in Batzenhofen.

Dann kam 1978 die Eingemeindung nach Gersthofen. Josef Schuler war zu der Zeit Vorsitzender des 1946 gegründeten SPD-Ortsvereins Batzenhofen, zu dem auch Rettenbergen, Edenbergen, Hirblingen und zu Anfang auch Täfertingen gehörten. Nach der Eingemein- dung gehörte der Ortsverein Batzenhofen mit seinen 35 Mitgliedern zum Ortsverein Gersthofen, der damit auf über 200 Mitglieder ange- wachsen war.

Vom Gemeinderat wurde Josef Schuler im Zuge der Eingemeindung zum Stadtrat und blieb das für 36 Jahre. Bald war der Neustadtrat an wichtigen baulichen Entscheidungen beteiligt, wie der Kläranlage und dem Stadtbauhof.

Danach ging es mit dem Citycenter an die Zentrumsentwicklung, die mit dem Bau des Rathauses und der neuen Stadthalle auf dem Höhepunkt war. „Die Umstrittene 100-DM-Aktion im Jahr 1999“, war spontan seine Antwort auf die Frage an welche Ablehnung er sich am besten erinnert. Bei dieser Aktion wurden, aufgrund eines Überschusses von 4 Millionen DM auf dem städtischen Konto, allen Gersthofer Bürgerinnen und Bürgern auf In- itiative vom damaligen Bürgermeister Deffner, 100 DM ausgezahlt.

Auf die 68-iger Bewegung angesprochen sagt Josef Schuler lachend, „des waren für mich Revoluzzer, aber auf der anderen Seite muss ich sagen – wenn sie das nicht gemacht hätten, wäre kein Fortschritt gekommen.“, eine Haltung, die sich quer durch seine ehrenamtlichen Tätigkeiten zieht. Oft war Josef Schuler in seinen Funktionen innerhalb der SPD oder in anderen Vereinen anderer Meinung als jüngere Vereinsmitglieder. Er ließ sich aber von guten Argumenten und Wünschen des Nachwuchses überzeugen und stand dann auch konsequent hinter diesen Entscheidungen.

Gründungsmitglied des Sportvereins, 49 Jahre in der Vorstandschaft des Musikvereins, 77 Jahre in der Feuerwehr, davon 25 Jahre Vorstand, heute Ehrenvorstand und dann noch 48 Jahre aktiv in der Politik. „Das funktioniert nur, wenn die Frau mitspielt. Wenn die Frau nicht mitspielt kannst du das nicht machen, weil du dann nur Ärger daheim hast“, meint er lachend.

Josef Schuler leitet damit selbst auf das allgemeine Problem über, dass ehrenamtlicher Einsatz in Vereinen und der Politik immer schwieriger wird. Viele Vor- stände suchen händeringend Leute, die sich in eine Ver- antwortung begeben wollen.

Im Jahr 2014 wurde „der heimliche Bürgermeister von Batzenhofen“ zum Ehrenbürger der Stadt Gersthofen ernannt. Nach wie vor sieht er es als seine Pflicht an sich selbstlos für seine Mitbürge- rinnen und Mitbürger einzusetzen.

Am 8. Januar 2021 wurde Josef Schuler an seinem 90. Geburtstag, an dem er auch 65 Jahre Mitglied in der SPD war, mit der Willy-Brandt-Medaille geehrt.

Janine Hendriks