Zu wenige Frauenhäuser in Bayern

Die SPD-Landtagsfraktion fordert einen Rechtsanspruch:

Zu wenige Frauenhäuser in Bayern

In Bayern fehlen seit Jahrzehnten Plätze in den Frauenhäusern – die SPD-Landtagsfraktion fordert einen Rechtsanspruch

Die Covid-19-Pandemie hat die häusliche Situation vieler Frauen massiv verschlechtert. Durch die Ausgangsbeschränkungen und die wachsende Isolation der Familien steigt häufig auch die häusliche Gewalt an. Angesichts dieser beunruhigenden Zunahme während

der Pandemie äußerte im April UN-Generalsekretär Antonio Guterres Bedenken: „Für viele Frauen und Mädchen ist die Bedrohung dort am größten, wo sie am sichersten sein sollten, in ihrem eigenen Zuhause.“

Deshalb brauchen in dieser Corona-Pandemie mehr Frauen und Mädchen Schutz und einen Rückzugsort, z.B. in Form eines Platzes in einem Frauenhaus, der sehr rar ist.

Doch das Problem ist nicht neu. Schon vor der so genannten Corona-Pandemie gab es in Bayern viel zu wenige Frauenhausplätze. Am meisten leiden darunter die Betroffenen. Jede zweite von Gewalt bedrohte oder betroffene Frau (und ihre Kinder) musste bisher abgewiesen werden. Seit drei Jahren liegt ein vom bayerischen Sozialministerium beauftragtes, detailliertes Gutachten der Universität Erlangen-Nürnberg vor, das die geringen Platzkapazitäten in den Frauenhäusern als dramatisch einstuft.

In Bayern gibt es laut Sozialministerium insgesamt 38 Frauenhäuser, mit insgesamt 362 Plätzen für Frauen und 437 für Kinder. Das ist nicht einmal ein Frauenhaus pro Landkreis. Von den im Gutachten geforderten zusätzlichen circa 100 Plätzen – also 30 Prozent plus – sind gerade einmal 15 entstanden.

Mit den neuen Förderrichtlinien gibt es geringfügige Verbesserungen. Die Anzahl der Plätze in Frauenhäusern konnte leicht aufgestockt werden. Doch vor allem viele kleinere Frauenhäuser profitieren nicht von den neuen Förderrichtlinien. Von einem Rechtsanspruch, einer alten SPD-Forderung, sind wir noch weit entfernt. Handlungsbedarf ist dringend erforderlich. Denn die Corona-Krise ist noch nicht zu Ende. So müssen jetzt kurzfristige Alternativen für eine sichere Unterbringung der Opfer häuslicher Gewalt gefunden werden.

Die SPD-Landtagsfraktion fordert deshalb in einem aktuellen Antrag, dringend den Schutz vor Gewalt auszubauen. Dort geht es vor allem um die folgenden Punkte:

  • Frauenhäuser weiter auszubauen, um Zufluchtsorte für alle Frauen und ihre Kinder, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, bieten zu können;
  • Einrichtungen zum Schutz vor Gewalt bei der Anpassung ihrer Angebote an die Bedingungen der Covid-19-Pandemie zu unterstützen und zusätzliche Wohnangebote bereitzustellen, wie zum Beispiel in Hotels oder Apartments;
  • sicherzustellen, dass Beratungsnummern auch unterstützt werden und verfügbar sind, dazu gehören auch digitale Plattformen und Apps.

 Zudem sollte dringend ein Rechtsanspruch für die Frauen und ihre Kinder auf eine Unterbringungung an einem geschützten Ort – eben in einem solchen Frauenhaus geschaffen werden.