Sozialkompetenz – was ist das eigentlich?

Sozialkompetenz – was ist das eigentlich?

Ein Kommentar von Doris Pröll

Sozialkompetenz – darunter verstehen wir Pädagogen all das, was uns als soziale Wesen ausmacht.

Es geht also um die Gesamtheit individueller Einstellungen und Fähigkeiten, die dazu geschaffen sind, eigene Handlungsziele mit den Anschauungen und Werten einer Gruppe zu verknüpfen.

Natürlich auch mit dem Ziel das Verhalten und die Meinungen dieser Personen zu beeinflussen.

Soziale Kompetenz ist also ein erlernter und reflektierter Kompromiss zwischen ANPASSUNG an geltende Normen und Werte einer Gruppe oder Gesellschaft sowie der Durchsetzung eigener Werte, Standpunkte, Interessen und der eigenen Kreativität.

Es handelt sich folglich nicht um EINE KOMPETENZ, sondern um ein Bündel an Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Menschen, welche dieser flexibel und mehr oder weniger reflektiert nutzt, um Einfluss auf soziale Interaktionen zu nehmen.

Was passiert nun aber in „Krisenzeiten“ wie zum Beispiel der Corona-Pandemie mit uns?

Während ein großer Teil der Bevölkerung mit Verunsicherung reagiert, denn

•          der Alltag verändert sich

•          Sicherheiten und Gewohnheiten können nicht aufrecht gehalten werden

•          Wir sind verschreckt, haben Angst vor dieser unerforschten und fremden Bedrohung.

•          Fragen werden laut: „Wie kann ich mich und meine Lieben schützen“?

•          Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und den damit verbundenen finanziellen Einbußen werden immer präsenter

•          Nichts darf mehr so sein, wie es vorher war

Jetzt höre ich immer wieder: “was habt ihr für Probleme?, unsere Eltern und Großeltern haben Kriege durchleben müssen.“

Das ist richtig, das waren schwere und harte Zeiten, die wir Kriegs-Nachgeborenen nicht erleiden mussten.

Wollten wir es unseren Kindern nicht gerade deshalb schöner und bequemer machen? Hatten wir doch noch die Geschichten unserer Eltern und Großeltern im Hinterkopf.

Wie kann ich aber Generationen auf etwas noch nicht Dagewesenes vorbereiten?

GAR NICHT!!

Auf was soll ich vorbereiten, wenn ich die Gefahr nicht kenne?

Welche Szenarien können beübt werden?

Der Vorwurf ist schnell gemacht,…

•          die Politik macht alles falsch,….

•          Köpfe sollen (mal wieder) rollen,

•          es wird zu spät, falsch, gar nicht reagiert,…

Frage ich nach, was derjenige, der kritisiert, anders machen würde, so bleibt er mir die Antwort schuldig.

Schnell sind die Denk- und Lösungsansätze ausgeschöpft.

Jetzt kommen wir also wieder zu unserem Anfangsthema – den Sozialkompetenzen.

Dazu gehören:

•          Kritik üben und selbst auch aushalten können

•          Meinung äußern und vertreten

•          Den anderen zuzuhören

•          Akzeptanz und Toleranz gegenüber anderen Ansichten und Haltungen – sei es in persönlichen, politischen, oder in religiösen Bereichen.

•          Bei der Wahrheit bleiben

Aber nichts davon geschieht!!

Es werden Halbwahrheiten und Lügen verbreitet.

Quellen werden nicht mehr überprüft!

Jeder darf seine „Hirngrütze“ zum Besten geben – macht sich zum neuen Propheten.

Verschwörungstheorien lösen sich so schnell ab, dass sie nicht zu überprüfen sind, aber für immer mehr Verunsicherung sorgen.

Es wird gehetzt, beleidigt, denunziert und gedroht.

Wer sind diese „Propheten“, was bieten sie uns an?

Wie würden sie uns schützen?

Ich habe immer an den gesunden Menschenverstand geglaubt – was ist los mit uns, dass wir den Glauben aufgeben?

Den Glauben an unsere Demokratie?

Den Glauben an uns selbst?