Geplante Abwanderung am MVZ?

Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ)

Geplante Abwanderung?

Zum Jahresende schließt mit dem Medizinischen Versorgungszentrum, kurz MVZ, die älteste Praxis  in Gersthofen. Das MVZ, welches vor zwei Jahren von den Wertachklinken übernommen wurde, soll zusammen mit den ÄrztInnen, darunter dem Hausarzt Herrn Dr. Wolfgang Oblinger nach Schwabmünchen verlagert werden. Somit verliert Gersthofen nicht nur einen renommierten Hausarzt, sondern auch gleich eine ganze Praxis. Insgesamt haben wir in Gersthofen noch 12 HausärztInnen, die für die Behandlung und Betreuung von ca. 22.000 Gersthofer Bürgerinnen und Bürgern verantwortlich sind. Ein nicht kleiner Teil unserer MitbürgerInnen wird natürlich auch von den 5 niedergelassenen KinderärztInnen betreut. 12 HausärztInnen und 5 KinderärztInnen auf 22.000 EinwohnerInnen klingt nicht viel. Ist es auch nicht!

Haben wir in Gersthofen einen Ärztemangel?

Momentan noch nicht direkt. Die meisten HausärztInnen haben zwar einen Aufnahmestopp, aber die Patienten der bald geschlossenen Praxis von Herrn Dr. Oblinger können noch aufgenommen werden. Blickt man aber in die Zukunft, dürfte es wohl keine Hoffnung auf größere Entspannung geben. In unserem Niederlassungsbereich liegt die Versorgung laut Formeln der KVB – Kassenärztliche Vereinigung Bayerns – bei 108,15%. Das macht das Ansiedeln neuer Hausärzte schwieriger. Auch, dass Gersthofen und z.B. u.A. Königsbrunn hier einen Niederlassungsbereich bilden, trägt nicht zu einer Versorgungsverbesserung in Gersthofen bei.

Wir als SPD Gersthofen sind der Meinung, dass die Bedarfsplanung, welche zwar gelegentlich aktualisiert wird, grundsätzlich überarbeitet gehört. Es muss viel mehr die tatsächliche Versorgung vor Ort und nicht in einem abstrakten Niederlassungsbereich gelten. Auch gehören die Faktoren der Arztberechnung überarbeitet. Die bürokratische Zusatzarbeit eines Arztes hat sich diesbezüglich in den vergangenen Jahrzehnten stark erhöht, was die Menge an zu betreuenden Patienten nicht gerade einfacher macht.

Dieses Thema ist für uns alle wichtig. Wir sollten daher an einem Strang ziehen, um die ärztliche Versorgung bei uns in Gersthofen, im Landkreis und in unserem Bezirk Schwaben zu verbessern.

Infoblock:

Wie gestaltet sich die Niederlassung eines Arztes?

Zuerst muss ein Antrag bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, kurz KVB, gestellt werden. Diese entscheidet dann, ob man sich an dem gewünschten Ort als Arzt mit einer neuen Praxis niederlassen kann. Wenn der gewünschte Niederlassungsort oder Bereich allerdings rechnerisch überversorgt ist (>100%), kann der Antrag auf Niederlassung abgelehnt werden.

In welchen Niederlassungsbereich fällt Gersthofen?

Gersthofen bildet zusammen mit Neusäß, Stadtbergen, Diedorf, Königsbrunn und der Stadt Augsburg einen Niederlassungsbereich. In diesem Niederlassungsbereich wird nicht die Versorgung in den einzelnen Orten, sondern nur insgesamt betrachtet. Gersthofen hat somit zusammen mit dem restlichen Teil-Bereich eine Überversorgung bei einem Wert von 108,15%. Wie die tatsächliche Versorgung in Gersthofen aussieht, spielt dabei keine Rolle.

[Artikel: Dennis Stolarski | Foto: Adobe Stock, H_Ko