Angst vor Digitalisierung?

Digitalisierung – ein Begriff, der vor allem bei manch älterem Mitbürger zu polarisieren vermag. Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert.
Die Digitalisierung, die einen radikalen Umbruch in der Art der zwischenmenschlichen Kommunikation mit sich brachte führt, durch den heute überwiegend auf digitalem Wege stattfindenden Austausch, zu mehr Vereinsamung einzelner Menschen, denen es an Kontakten in der realen Welt und an stabilen zwischenmenschlichen Beziehungen fehlt. Um nicht nur ein „Datensatz“ zu sein, liegt viel Verantwortung bei den Mitarbeiter*innen von Unternehmen, die hinter diesen „Datensätzen“ auch die Menschen nicht vergessen dürfen. Heute eine schwierige Aufgabe in unserer immer schneller werdenden Arbeitswelt. Die Digitalisierung wird Arbeitsplätze kosten. Sie bringt uns jedoch auch neue Perspektiven.


Die Digitalisierung beschleunigt die Prozesse innerhalb der Arbeitsabläufe bei den Krankenkassen. Einige behaupten, dies rücke die Krankenkassen näher an ihre Versicherten oder Neudeutsch: Kunden. Eine umstrittene Entwicklung die viele Fragen aufwirft. Es gibt fast keine Krankenkasse mehr, die keine Apps für Handy etc. anbietet bzw. nicht online erreichbar ist, keinen 24 Stunden-Service bietet oder das ein oder andere Gesundheitsgadget bezahlt. Überflutet von den neuen Angebote fühlen wir uns da nicht manchmal gläsern? Soll uns das alles helfen oder doch nur kontrollieren? Immer wieder werden Stimmen laut, Raucher sollen höhere Beiträge zahlen. Schließlich sei ja das Gesundheitsrisiko höher. Wer Sport macht, zahlt weniger und wer keinen Sport macht, mehr? Durch die mögliche Erhebung solcher Datensätze könnten die Krankenkassen solche Ideen umsetzen. Aber würde das schließlich nicht den Grundgedanken der sozialen Versicherung zerstören? Die Starken für die Schwachen?

Die gesetzliche Krankenversicherung wurde immer weiter zu einem umfänglichen sozialen Sicherungssystem ausgebaut und den jeweiligen Herausforderungen ihrer Zeit angepasst. Zu Beginn der GKV waren etwa 10 Prozent der Bevölkerung pflichtversichert, heute sind rund 88 Prozent der Bevölkerung Versicherte in einer gesetzlichen Krankenkasse. Damit bietet sie heute rund 73 Millionen Versicherten Schutz und eine umfassende medizinische Versorgung. Bis jetzt zahlt jeder aus seinem Einkommen seinen solidarischen Beitrag – zumindest in der gesetzlichen Krankenversicherung. Das sollte, trotz Digitalisierung, auch so bleiben! Tablets und Smartphones haben längst den Weg in unseren persönlichen Alltag und in die Arbeitsweise der Krankenversicherung gefunden – wir sollten versuchen, die Vorteile für uns zu nutzen. Die schnellere und einfachere Bearbeitung von Anträgen ist ein Beispiel dafür. Der Wandel lässt sich nicht aufhalten, nichtsdestotrotz muss der Mensch im Vordergrund stehen und bleiben.

Dazu gehört auch, dass alle angebotenen Dienstleistungen auch auf analogem Weg noch problemlos wahrnehmbar bleiben müssen, denn die Digitalisierung ersetzt nicht den zwischenmenschlichen Kontakt von Angesicht zu Angesicht.

(Bild und Text: Dennis Stolarski)

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